Wird unser Kind nicht überall abgelehnt werden?

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Grundgesetz, Art. 1 (1)


Es soll hier nicht geleugnet werden, dass Lesben und Schwule mit besonderen Schwierigkeiten und Gefahren im Leben rechnen müssen. Es wird wahrscheinlich immer Menschen geben, die auf Minderheiten herumhacken. In einer schwäbischen Kleinstadt in den 50er Jahren genügte es dafür, rothaarig zu sein, eine Brille zu tragen, der anderen Konfession anzugehören oder gar einen anderen Dialekt zu sprechen. Nichteheliche Kinder wurden ganz besonders diskriminiert. Heute sind vor allem Menschen mit dunkler Hautfarbe, Einwanderer, Behinderte und sexuelle Minderheiten Ziel übler Scherze oder brutaler Angriffe. Schwule und Lesben werden immer eine Minderheit bleiben. Inzwischen gibt es viele Bemühungen auf beiden Seiten, zu einem entkrampften Miteinander zu finden. Dies zeigt sich auch an neueren Umfrageergebnissen: Inzwischen spricht sich eine Mehrheit der Bundesbürger dafür aus, dass schwule und lesbische Paare auf dem Standesamt die Ehe eingehen können, bei den 25- bis 29-jährigen sind es sogar schon 80%. 65% der Bundesbürger sind außerdem dafür, dass Homosexuelle durch ein Gesetz vor Benachteiligungen geschützt werden sollen. In anderen europäischen Ländern sind solche Gesetze längst Realität oder werden gerade diskutiert. Die Hoffnung, dass sie zu mehr Akzeptanz beitragen können, scheint die Aussage einer Mutter über ihre Beobachtungen in Dänemark zu bestätigen, wo gleichgeschlechtliche Paare schon seit mehr als zehn Jahren Ehepaaren rechtlich weitgehend gleichgestellt sind:

  • Wir wohnen nicht weit von der dänischen Grenze entfernt. Da ist es für mich besonders schmerzlich zu erfahren, wie wenig ungezwungen und normal Homosexuelle bei uns im Gegensatz zum Nachbarland leben können. In Dänemark wird der Mensch in seiner ganzen Persönlichkeit gesehen und nicht nur auf seine Sexualität reduziert. Alle Berufe sind Homosexuellen zugänglich, auch das Amt des Pastoren. Ebenso ist das Heiraten möglich. Homosexuelle können in jeder Hinsicht leben wie Heterosexuelle auch. Es regt niemanden auf, wenn sich im Café am Tisch nebenan zwei Lesben küssen oder auf der Straße zwei Schwule Hand in Hand einen Schaufensterbummel machen. Können Sie meine Gefühle erraten, wenn ich diese Selbstverständlichkeit bloß wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt erlebe? Manchmal schäme ich mich in solchen Momenten, Deutsche zu sein. Besonders dann, wenn es um das Miteinanderleben geht. Wenn es sich um Toleranz handelt und darum, den anderen zu respektieren - in seiner Hautfarbe, Religionszugehörigkeit und in seiner Lebensweise. (Bartels, Mein Kind ist so und nicht anders, S. 138/139)