Wie sieht die Zukunft meines Kindes aus?

Diese Frage stellen sich die meisten Eltern, nachdem sich die Tochter/der Sohn geoutet haben. Sie malen sich die Zukunft ihres Kindes manchmal in den düstersten Farben aus:

 

  • Also nur Angst, nur Angst. Ich sah ihn (...) betteln um Verständnis und Freundschaft, und überall nur Abweisung, dass Leute ihn zurückweisen würden, weil sie's eklig finden. Weil ich auch aus Erzählungen weiß, was manche Leute so für ein Bild haben. Ich sah sofort die Bedrohung durch AIDS, (...) dann würden wir ihn noch zu Grabe tragen müssen. Dann habe ich ganz massiv Angst gehabt vor Übergriffen, ich weiß, dass hier in (...)auch so eine Schlägertruppe unterwegs ist.
  • In dem Moment ging mir alles gleichzeitig durch den Kopf, alle Diskriminierungen, alle Verletzungen, die er im Laufe seines Lebens erfahren könnte, Leute, die sich von ihm abwenden, die ihn stehen lassen, dass wir vielleicht nicht lange genug leben, um Dinge von ihm fern zu halten, (...) dass wir vielleicht auch nicht mehr da sind, wenn er die schlimmsten Verletzungen erfährt, dass er zurückgewiesen wird, nicht nur von Freunden, sondern vielleicht auch von dem Menschen, in den er sich dann verliebt, oder dass Leute ihm wirklich Böses antun.
  • (...) weil ich immer gesagt habe, (...) dafür sorgen wir, dass er viele Chancen in diesem Leben hat und auch ein glückliches Leben für sich und für andere (...) haben kann, das wollte ich ihm eröffnen, und das sah ich plötzlich zusammengebrochen. Ich dachte, jetzt hat er nur noch einen kleinen, schmalen Weg.
  • Was das Schlimmste im Grunde genommen ist, oder, was am meisten wehtut, ist, sich vorzustellen, dass das Leben holprig ist für das Kind. Nicht mehr so glatt, glatte Schulzeit, glattes Studium, und dann, denke ich, wird's holprig. (Schmidt, Homophobie, S. 82/83)


Eine andere Mutter erkennt, dass alle Eltern, die sich ja für die Zukunft ihres Kindes das Beste wünschen, solche Ängste und Sorgen haben:

  • Eigentlich sind das die ganz normalen Ängste, die man als Mutter sein Leben lang wohl behalten wird: dass die Kinder gesund bleiben, dass sie ihre Arbeit behalten, eben, dass sie glücklich sind. (Hassenmüller, Wiedemann, Warum gerade mein Kind?, S. 79)