Wie entsteht Homosexualität?

Wir wissen es nicht!

 

Homosexualität ist ein Aspekt der äußerst vielgestaltigen menschlichen Sexualität. Homosexualität ist den Schwulen und Lesben so selbstverständlich wie der Bevölkerungsmehrheit die Heterosexualität. In allen Kulturen und Epochen der Weltgeschichte findet man Menschen, deren Gefühle und sexuelle Wünsche sich auf das eigene Geschlecht richten. Homosexualität gehört zu den Möglichkeiten des Menschengeschlechts.

 

Frage:

"Wie entsteht eigentlich Homosexualität?"

Antwort:

"Genauso wie Heterosexualität. Und wie die entsteht, wissen wir auch nicht." (Jürgen Lemke, Verloren am anderen Ufer?, S. 18)

"Es gibt so viele Entstehungstheorien der Homosexualität, wie es Forscher gibt, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben." (Helmut Kentler in: Wulf, Lust und Liebe, S. 298)

"Solange die Gesellschaft ihren Frieden mit den Homosexuellen nicht macht, solange ist die Erforschung der Entstehungsbedingungen für die Homosexuellen potentiell gemeingefährlich. Das lehrt die Geschichte des Verhältnisses von Wissenschaft und Homosexualität." (Gunter Schmidt, Das große DERDIEDAS über das Sexuelle, S. 127)

 

Gut so...

 

Es ist gut, dass wir nicht wissen, wie Homosexualität entsteht. Denn bisher hat jede Behauptung, etwas darüber zu wissen, dazu geführt, dass versucht wurde, Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung zu Heterosexuellen zu "machen". Dies hat viele schwule Männer und lesbische Frauen ihre sexuelle Empfindungsfähigkeit oder gar ihre Liebesfähigkeit gekostet, manche wurden davon psychisch krank, einige wurden grausam zu Tode gequält. Die Annahme, die gleichgeschlechtliche Orientierung sei angeboren, kann beispielsweise die Genforschung auf die Spur eines "Homosexuellen-Gens" bringen, wahrscheinlich mit dem Ziel, dieses Gen auszumerzen oder Kinder mit einem solchen Gen gar nicht erst auf die Welt kommen zu lassen. Wird Homosexualität auf die Erziehung zurückgeführt, liegt es natürlich nahe, sie durch Umerziehungsversuche aus der Welt schaffen zu wollen. Bisher sind alle derartigen Versuche gescheitert. Allenfalls wurden oberflächliche Anpassungsleistungen erreicht. Mit der Behauptung, Homosexualität sei eine Fehlentwicklung, hat sich vor allem die Psychoanalyse hervorgetan, obwohl ihr Begründer Freud schon 1935 in einem Brief an eine Mutter schrieb, Homosexualität sei nichts, dessen man sich schämen müsse, kein Laster und auch keine Krankheit. Es ist nicht abwegig, anzunehmen, dass die spätere psychoanalytische Forschung nur deshalb das Gegenteil behauptete, weil die Forschenden in ihren Praxen nur solche homosexuellen Menschen kennen lernten, die psychische Probleme hatten, und daraus schlossen, alle Homosexuellen seien krank. Logischer Weise hätten sie dann bei ihren heterosexuellen Patienten und Patientinnen mit psychischen Problemen diese Annahme auf alle Heterosexuellen übertragen müssen und deshalb folgerichtig alle Menschen für psychisch gestört halten müssen...

Es ist sehr bedauerlich, dass gerade die Psychoanalyse so immer wieder dazu beiträgt, uralten Vorurteilen gegen Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung neue Nahrung zu geben.

Für viele Eltern ist die Vorstellung hilfreich, Homosexualität sei angeboren, da diese Vorstellung sie von Selbstvorwürfen entlastet und sie von dem inneren Zwang befreit, sie müssten etwas gegen die sexuelle Orientierung ihres Kindes unternehmen. Es spricht in der Tat einiges dafür, dass die gleichgeschlechtliche Orientierung schon früh bei einem Menschen angelegt, vielleicht sogar angeboren ist.

Wir wissen auch, dass Menschen, die später gleichgeschlechtliche Liebespartner hatten, schon früh das Gefühl hatten, anders zu sein als andere Kinder ihres Alters und sich oft schon lange vor der Pubertät in Menschen gleichen Geschlechts verliebten, auch wenn sie noch nie etwas über diese Möglichkeit gehört hatten und sie daher auch nicht benennen konnten. Dies haben die groß angelegten Untersuchungen des Kinsey-Instituts bestätigt, durch die folgende Annahmen als Ursachen von Homosexualität widerlegt wurden:

 

So entsteht Homosexualität nicht...

Das Kinsey-Institut (A.P. Bell u.a.: Der Kinsey-Institut-Report über sexuelle Orientierung und Partnerwahl, München 1980) hat nachgewiesen, daß die meisten der bisher versuchten Erklärungen über die Entstehung von Homosexualität falsch sind. So stimmen vor allem die folgenden, von manchen Psychoanalytikern geäußerten Behauptungen nicht:

  • Homosexuelle Männer würden sich stärker mit ihren Müttern identifizieren als heterosexuelle
  • Die Vater-Sohn-Beziehung sei entscheidend für die sexuelle Orientierung
  • Die Geschwister (beispielsweise Genitalspiele mit den Brüdern) hätten Einfluss auf die Ausbildung der Homosexualität
  • Der Wunsch der Eltern, lieber ein Mädchen zu haben, könnte aus ihrem Sohn einen Homosexuellen machen (und ihm daher z. B. das falsche Spielzeug oder falsche Kleidung gegeben hätten).
  • Homosexualität entstehe durch Verführung
  • Homosexualität entstehe durch eine übermäßige Mutterbindung,
  • Schwierigkeiten in der Beziehung zum Vater führten zu Homosexualität,
  • Homosexualität sei eine Folge von Genitalspielen mit Geschwistern.