Elternerfahrungen: Vorwürfe

Dass du uns das antun kannst!


Neben der Weigerung, das Gehörte an sich heran zu lassen, dem ersten lauten oder stummen "Nein" und der fieberhaften Suche nach einer plausiblen Erklärung, die meist zur Suche nach dem Schuldigen wird, spielt natürlich auch Wut eine Rolle bei der ersten Reaktion auf die Eröffnung, dass das eigene Kind lesbisch oder schwul ist. Wut auf die Person, die die "schlechte Nachricht" überbringt - und das ist ja meist der Sohn oder die Tochter selbst -, Wut über Zeitpunkt, Ort oder Art und Weise der Mitteilung, die als besonders rücksichtslos empfunden wird, Wut auf den Partner oder die Partnerin, die so ganz anders reagieren, als man selbst es für richtig gehalten hätte, Wut natürlich auch über das, was einem durch diese Eröffnung kaputtgemacht wurde.
  • Als ich C. fragte (ob sie lesbisch sei), nach dem Gespräch mit ihrem Lehrer, und sie Ja sagte, da hatte ich für einen Moment das Gefühl, sie ist nicht mehr meine Tochter. So will ich meine Tochter nicht. Und das war am schlimmsten dabei. Dass ich gefühlt habe, es kann auch sein, dass ich meine Tochter nicht lieb hab. Dass ich sie ablehne. Ganz stark ablehne, wenn sie so ist. Dann gehört sie nicht mehr zu meiner Welt.
Mir wäre es lieber, du bist unglücklich und normal
  • Ich sagte doch, dass für so einen kein Platz in meinem Hause ist. Daran ändert die Zeit nichts. Ich bin nur froh, dass er rechtzeitig abgehauen ist. Sonst hätte das hier noch übel werden können. Ich meine, ich bin ein friedlicher Mensch, aber meinen guten Namen, den lasse ich mir nicht nehmen.(...) Für mich ist er gestorben.
  • Das war etwas, was ich mit mir selbst abmachen musste. Aber ich erinnere mich, dass ich am nächsten Tag, als ich meine Meißner Porzellansammlung abstaubte, nur mit Mühe den Wunsch unterdrücken konnte, alles gegen die Wand zu werfen. All die schönen Dinge bedeuteten mir plötzlich nichts mehr.
  • Dann habe ich, was mich furchtbar bedrückt, ganz furchtbar reagiert, dann kamen dann so Sachen, da wollte er mich denn so in den Arm nehmen, da habe ich ihn weggestoßen und gesagt: "Fass mich nicht an!" (Roggenkamp, Von mir soll sie das haben?, S. 158; Hofsäss, Homosexualität und Erziehung, S. 55; Hassenmüller, Wiedemann, Warum gerade mein Kind?, S. 101/103 u. 138; Schmidt, Homophobie, S. 82)