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Hintergrund Homosexualität

Wenn eine Frau oder ein Mann sich einmal dazu durchgerungen hat, den Eltern zu eröffnen, dass sie oder er einen Menschen des gleichen Geschlechts liebt, können wir davon ausgehen, dass dies nicht leichtfertig geschieht. Meist ging eine lange Zeit der Unsicherheit voraus, in der dieser Mensch ausprobiert hat, ob es ihm oder ihr nicht doch gelingt, einen Menschen des anderen Geschlechts zu lieben. Doch es wird wohl kaum Eltern geben, die um einer fragwürdigen "Normalität" willen ihrem Kind wünschen, dass es sich und den Partner oder die Partnerin auf diese Weise unglücklich macht. Natürlich gibt es auch Heterosexuelle, die mit Partnern zusammenleben, die sie nicht aus vollem Herzen lieben können - vielleicht haben sie nach einer Enttäuschung den oder die Nächstbeste gewählt, vielleicht spielten finanzielle oder berufliche Gründe oder auch der Wunsch der Eltern eine Rolle, vielleicht war ein Kind unterwegs. So wie sie hoffen auch manche Lesben und Schwule, dass die Liebe mit der Zeit noch kommt, und sie sehen erst nach einigen Ehejahren ein, dass ihr gleichgeschlechtliches Begehren so stark ist, dass sie nicht entgegen dieser Ausrichtung leben können.

  • "Die Natur kennt keine scharfen Einteilungen. Nur der Mensch erfindet Kategorien und versucht, die Wirklichkeit in verschiedene Schubfächer zu zwingen. Alles im Leben ist in jeder Hinsicht ein Kontinuum."
    (Kinser 1966, zitiert nach Hassenmüller, Wiedemann, Warum gerade mein Kind?, S. 90)

Gut gemeint

"Später wird mir mein Kind einmal dankbar sein", dachten Generationen von Eltern, wenn sie ihm die Linkshändigkeit abgewöhnten, manchmal durch Schläge und Festbinden der linken Hand, manchmal durch freundliches Zureden und "vernünftige" Argumente. Heute wissen wir, dass sie ihrem Kind damit großen Schaden zufügten, dass diese Umerziehung in ihren Folgen einem gewaltsamen Eingriff ins Gehirn gleichkommt: Die Folgen sind motorische Störungen, Blockierungen im Denken, Sprach- und Gedächtnisstörungen, gefolgt von Selbstwertproblemen, psychosomatischen Erkrankungen, Kontakt- und Beziehungsproblemen bis hin zu vollständigem beruflichem Versagen. (Vgl. Johanna Barbara Sattler, Der umgeschulte Linkshänder, Donauwörth 1998)

Es gibt einige Parallelen zwischen dem Versuch, Linkshändigkeit "wegzumachen" und dem Umgang mit der gleichgeschlechtlichen Orientierung. Auch manche Eltern von Lesben und Schwulen fühlen sich verpflichtet, etwas gegen die homosexuelle Veranlagung ihres Kindes zu unternehmen, besonders wenn ihr Kind noch minderjährig ist. Und leider gibt es immer noch Psychologen, Psychiater und Seelsorger, die Eltern hierbei "Hilfe" versprechen. Die Folgen können sogar noch schwer wiegender sein als bei der Umschulung von Linkshändigkeit zur Rechtshändigkeit.