Gottesdienst Am 01.04.2012

in Gütersloh in der Ev. Matthäus-Gemeinde Befah-Vorstellung im Gottesdienst am 1. April 2012 in Gütersloh Gudrun Held

Gott sei Dank! Und das meine ich so.

Sie alle in dieser Kirchengemeinde, ja, diese, ihre Kirchengemeinde hat uns Eltern eingeladen. Eltern, in deren Familien schwule oder lesbische oder transgender Kinder herangewachsen sind. Wir sind eingeladen hier mitten in den Gottesdienst!

Wir sind es gewohnt, dass unsere Kinder - nicht nur in den Kirchen, aber dort besonders - verschwiegen werden, unsichtbar bleiben sollen. Ausgegrenzt, ausgesetzt - Aussätzige eben. Dagegen sind seit etwa 25 Jahren Eltern aufgestanden,

haben sich in Elterngruppen zusammengefunden und solidarisiert. Und vor 15 Jahren haben diese Gruppen sich im Bundesverband Eltern, Freunde, Angehörige von Homosexuellen zusammengeschlossen und verbündet. Eltern stehen auf und stehen ein für Akzeptanz und Solidarität mit allen Menschen

Der Bundesverband steht auf zwei Säulen:
1. Ich nenne als erstes die Beratung, weil sie noch immer einen großen Teil der Arbeit ausmacht, Über unsere Web-Seite und unter unserer Telefon- Nummer können Eltern, Geschwister und Freunde sich Rat und Hilfe holen, wenn beim Coming out der Boden unter den Füßen wackelt. Und immer noch steht für viele Menschen die Welt Kopf, wenn eine Frau eine Frau - ein Mann einen Mann liebt.

Es gibt manchmal schlimme Gespräche. Da ruft eine Mutter mit tränenerstickter Stimme an und sagt: Gestern hat mein Sohn mir gesagt, das er schwul ist. Ich wünschte, er wäre tot. Was soll ich denn jetzt den Verwandten und Nachbarn sagen?

Es gibt auch mutige Gespräche: Da sagt eine Mutter am Telefon (meistens rufen Mütter an): meine Tochter ist lesbisch. Ich finde sie ganz toll - aber ich mag sie nicht so ausfragen. Andererseits - ich weiß doch gar nicht so genau, wie deren Leben jetzt aussieht und wie es ihr gehen wird. Ich möchte mehr über diese Lebensform lernen, wo und wie kann ich das? Nun, ich denke, der Tochter gefällt es, wenn sie mit der Mutter über ihr Leben sprechen kann, die Tochter wird sich gewiss freuen, wenn die Mutter nachfragt und sich für das unbekannte Leben der Tochter öffnet. Außerdem gibt es auch informative Bücher, die uns helfen, den fremden, unbekannten Raum des schwulen und lesbischen Lebens kennen zulernen. Also, die eine Säule ist die persönliche Beratung.


2. Die zweite Säule steht für unsere gesellschaftspolitische Arbeit. Wir setzen uns ein für eine Gesellschaft, die Akzeptanz und Solidarität mit allen Menschen lebt. Wir setzen uns ein dafür, dass das Andere und Fremde nicht weggemacht wird sondern integriert wird und damit bereichert.

3. Das aber setzt Aufklärung voraus, die geleistet werden muss. Da gilt es, falsche Urteile und Vorurteile zu benennen und abzubauen. Fremdes und Andersartiges muss sichtbar und damit bekannt werden, damit sich in den Köpfen und Herzen etwas verändern kann. Darum freuen wir uns, dass wir Eltern hier heute unser Gesicht zeigen dürfen, damit auch unsere Kinder ein Gesicht bekommen und wir uns als Geschwister entdecken können.

Der Psalmbeter spricht: „ du hast mich wenig niedriger gemacht als Gott.“
Und wir heute wissen nicht, ob dieser Beter schwul oder lesbisch war oder so ist wie wir.