Teilnahme des BEFAH e.V. am 2.Ökumenischen Kirchentag 2010 in München

Sachstandsbericht

1. Ziele und Schwerpunkte

Das Thema des 2. Ökumenischen Kirchentages : „ Damit ihr Hoffnung habt...“ konnte vom Bundesverband gut aufgegriffen und ergänzt werden : „ Damit ihr Hoffnung habt...sind wir da! Auf dem Markt der Möglichkeiten „Agora“ hatte BEFAH einen Stand mit Plakaten,
Informationsmaterial und Büchern eingerichtet. Hier konnten vor allem Rat suchende Eltern, Lehrer, Schüler, interessierte Mitmenschen, aufgeschlossene Vertreter aus Kirche und Politik, Einblicke in die Arbeit des Bundesverbandes erhalten und im Gespräch mit den Müttern und Vätern von Schwulen und Lesben Erfahrungen austauschen, Rat einholen, Hilfsangebote einsehen.

Wie auch in den vergangenen Jahren, auf entsprechenden Veranstaltungen der Evangelischen und Katholischen Kirche, ging es BEFAH um folgende Anliegen:

  • Sorgen und Nöte von Eltern nach dem Coming-Out ihrer Kinder aufzufangen
  • Ihnen im Gespräch durch eigene Erfahrungen, durch Hinweise auf Literatur oder Veranstaltungen zu der neuen Lebenssituation zu helfen
  • Ihnen die Möglichkeit aufzuzeigen, sich in Elterngruppen zu organisieren
  • Sorgen und Nöte von lesbischen und schwulen Menschen anzuhören,auf ihre Schwierigkeiten in den eigenen Familien und im gesellschaftlichen Umfeld einzugehen.
  • Lehrer und Erzieher auf die Notwendigkeit eines aufklärenden und problembegleitenden Sexualunterrichtes hinzuweisen und auf dessen Durchführung zu bestehen.
  • ● Schülern, Informationsmaterial und Adressen an die Hand zu geben, sie zu ermutigen, zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen und Verbündete zu suchen
  • Schüler zu ermuntern, gegen diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber homosexuellen Mitschülern an ihren Schulen einzuschreiten
  • Schüler auf Projekte zum Thema wie z. B. „Schule ohne Homophobie“ NRW oder das Bremer Schulprojekt: „ Das Recht anders zu sein“ hinzuweisen und eigene Projekte zu starten.
  • Interessierten Besuchern des Kirchentages die ehrenamtliche Arbeit des BEFAH vorzustellen und für die Akzeptanz einer Minderheit in unserer Gesellschaft zu werben.
  • Vertretern der Kirchen über die Verletzungen Auskunft zu geben, die Eltern von Homosexuellen und deren Kinder aufgrund einer noch immer praktizierten Stigmatisierung von Homosexualität erfahren und die durch offizielle Äußerungen vonseiten der Amtsträger fortgesetzt wird.
  • Vertretern aus der Politik einen Einblick in die Verbandsarbeit zu geben und um Unterstützung für BEFAH Projekte, wie z.B. das alle 2 Jahre stattfindende Bundeselterntreffen , die regelmäßigen Elternseminare sowie die Präsenz auf den Kirchentagen beider Konfessionen zu bitten.
  • Vertretern aus der Politik, die Notwendigkeit weiterer gesetzlicher Veränderungen deutlich zu machen und sie zu bitten, diese voranzubringen


2. Notwendigkeit und Angemessenheit

Aus der Vielzahl der geführten Gespräche, die wir ähnlich wie beim EKT in Bremen mit weit über tausend beziffern können, ersehen wir ein wachsendes Interesse der einzelnen gesellschaftlichen Gruppierungen, wie unter Punkt 1 ausgeführt wurde. Dabei sind es viele junge Menschen,die sich an uns wenden. Sie sind entweder selbst schwul oder lesbisch oder haben Geschwister, Freunde und Bekannte, für die sie sprechen und mit denen sie sich solidarisch fühlen. Wir stellten auch fest, dass zunehmend ErzieherInnen, LehrerInnen, PastoralreferentInnen sich für die Arbeit von BEFAH interessierten. Evangelische Geistliche sprachen uns an, katholische Ordensschwestern und Ordensbrüder kamen mit uns in sehr offene Gespräche. Wir verfolgen diese Öffnung mit großer Freude und würden es begrüßen, wenn noch mehr Menschen unsere Arbeit kennenlernen und wir ihnen dabei helfen könnten, ihre Vorurteile gegenüber lesbischen und schwulen Menschen und deren Lebensgestaltung abzubauen. So erachten wir eine Fortsetzung unserer Arbeit auch beim Kirchentag in Dresden 2011 als notwendig und angemessen. Aber auch aus einem anderen Grund sehen wir die Fortsetzung unserer Arbeit auf den Kirchentagen als notwendig an. Immer noch ist die Anzahl junger Menschen, die während der Phase ihres Coming-Outs einen Suizidversuch unternehmen im Vergleich zu anderen Jugendlichen dieses Alters um das Vierfache erhöht. Wir konnten während des Kirchentages Kontakt mit der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention aufnehmen und mit Herrn Prof. Dr. Schmidtke vereinbaren, dass auf Antrag der Eltern die Suizidgefährdung von jungen Lesben und vor allem jungen Schwulen im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland besondere Beachtung bekommen wird.

3.Geleistete Arbeit

Zu den Vorarbeiten für den Kirchentag zählte neben der Zusammenstellung der Arbeitsgruppe, der Hotelbeschaffung, den Modalitäten der Anreise mit DB und Campingbus ( Materialtransport), eine Einweisung in die Organisation des Kirchentages im November 2009 in München. Im Februar 2010 traf sich die Arbeitsgruppe BEFAH Kirchentag zur thematischen und praktischen Vorbereitung in Hannover (Laatzen). Aufgrund der Entfernung reiste ein Teil der Arbeitsgruppe bereits am 11.Mai nach München, um den Standaufbau am 12. Mai pünktlich vornehmen zu können. Am Abend nahmen die Mitglieder der Arbeitsgruppe am Eröffnungsgottesdienst des Kirchentages teil. Von Donnerstag bis einschließlich Sonnabend waren 13 Frauen und Männer des Bundesverbandes von 10.00 Uhr - 18.00 Uhr im Einsatz. Der Gesprächsbedarf war von
Anfang an sehr hoch war, deshalb blieben die Mitarbeiter ohne Pause am Stand. Da wir aber das Angebot der HuK, an einem Vortrag mit Diskussion über die „Christliche Homophobie“ teilzunehmen, nutzen wollten, gab es eine Abordnung zu diesem Thema für zwei unserer Teilnehmer, ebenso zu Thema „ Lesben und Schwule im Alter“. Die Vielzahl der Gespräche, die emotionale Belastung, die sich daraus ergab, führte bei allen Teilnehmern zu großer Erschöpfung. Es gab aber auch viele erfreuliche Rückmeldungen, die uns die Mühen vergessen ließen und auch den körperlich wie seelisch anstrengenden Einsatz. Dazu gehörte die Begegnung mit Menschen, die bereits bei anderen Kirchentagen unseren Stand besucht hatten und von positiven Veränderungen in ihrem Leben berichten konnten.

1. Erfahrungen und Ergebnisse

Wir stellen fest, dass der Bekanntheitsgrad des BEFAH zugenommen hat und BEFAH für eine ganze Reihe von Besuchern zum festen Bestandteil von Kirchentagen gehört. Wir wurden von vielen Eltern aus dem süddeutschen Raum angefragt, die sich bereits im Internet informiert hatten und nun den Schritt zu einem Gespräch wagten. Es erstaunte uns immer wieder, wie schnell sich aufgrund gemeinsamer Erfahrungen eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre ergab, in der unsere Besucher sichtlich aufatmeten
und neuen Mut fassen konnten, ihrem veränderten Alltag entgegen zu sehen. Es ist nicht möglich, die vielen Fragen und Gesprächsinhalte zusammenfassend darzustellen. Wir hatten als Team aber durchaus das Gefühl, immer besser auf die Probleme unserer Standbesucher eingehen zu können. Aus der Arbeit in unseren eigenen Elterngruppen, durch die Vernetzung der Gruppen untereinander, unsere Fortbildungsseminare und Bundeselterntreffen können wir einen guten Beratungsstandard vorweisen.

2. Schlussfolgerungen und Perspektiven

Aus den Erfahrungen der Kirchentage ergeben sich für unsere Elternarbeit immer eine Reihe von neuen Ansätzen. Wir werden in Zukunft nach weiteren Vernetzungen mit anderen Gruppen, wie bereits mit dem DGS geschehen, suchen. Dankbar nehmen wir zur Kenntnis, dass uns auch Hilfe angeboten wird, wie z.B. das Angebot einer Programmiererin, die sich um den Einsatz von Gebärdendolmetschern, zunächst einmal für den Nürnberger CSD, kümmern will. Für den Verband und den Zusammenhalt der Mitglieder untereinander hat es sich bewährt, Eltern aus den verschiedenen Landesgruppen mitarbeiten zu lassen. Auch ist die Beratungsarbeit bei dem ständig steigenden Gesprächsbedarf bei den Kirchentagen allein von Mitgliedern aus Vorstand und Beirat nicht mehr zu leisten.

Die Teilnahme des BEFAH am Ökumenischen Kirchentag in München wurde mit den Mitteln des BMFSFJ gefördert.