Teilnahme von BEFAH an der Elternkonferenz in KIEW/Ukraine durch Inge Breuling (EG Nürnberg) und Traudl Fuchs (EG Stuttgart ) vom 24./25. April 2015

Bericht von der Konferenz in Kiew „ Unsere Familien: Möglichkeiten des Verstehens, der Akzeptanz und der Unterstützung“  24.-25.April 2015

Veranstalter: TERGO ( entspricht BEFAH) in Kiew und GIZ

Sponsoren : GIZ, Hannchen-Mehrzweck-Stiftung und CIM 

Teilnehmende : Elternvertreter aus der Ukraine, aus Russland, Moldawien, der Türkei, aus Polen, den USA und Deutschland

Ein Beitrag auf der Webseite der Deutschen Botschaft Kiew

Eröffnung und Begrüßung erfolgte durch die Vorsitzende von TERGO, die stellvertretende Exekutivdirektorin von PFLAG/ USA, den Programmdirektor von ILGA-Europa, die Vertreterin der Botschaft Deutschlands und den Vertreter des GIZ-Programms über HIV/AIDS in der Ukraine. 

Den Eröffnungsvortrag hielt Dorit Zinn mit der Lesung aus ihrem Buch „Mein Sohn liebt Männer“

Eine erste Podiumsrunde wurde von Elternvertretern aus Polen, Russland, der Ukraine, aus den USA und Deutschland bestritten. 

Es zeigte sich, dass die allermeisten Eltern in allen Ländern mehr oder weniger heftige Anfangsschwierigkeiten hatten, als sie vom Schwul- oder Lesbisch sein ihres Kindes erfuhren. Während in den USA, in Deutschland und in Polen die Akzeptanz durch die Öffentlichkeit und auch die Politik ziemlich weit ist, haben Russland und die Ukraine mit heftigem Gegenwind aus der Politik zu kämpfen und auch aus der Bevölkerung, was nicht zuletzt auf den groben Einfluss der Kirchen zurück zu führen ist. 

In zwei weiteren Podien wurden die Aktivitäten der jeweiligen Verbände aus USA, der Ukraine, Deutschland, Polen, Moldavien, der Türkei und St.Petersburg/Russland vorgestellt. 

Eine wichtige Aufgabe ist in allen Ländern die Unterstützung der Eltern. Je nach Möglichkeiten wird auch die Öffentlichkeit informiert und versucht, auf Politik und Kirchen einzuwirken, um eine Gleichstellung (oder wenigstens Toleranz) mit Heterosexuellen ( vor allem auch in Partnerschaften ) herzustellen. Dazu dienen Flyer und Broschüren, aber auch Teilnahme an Demonstrationen.

Ein Themenblock fand zu „Sexuelle Orientierungen“ statt.

Zwei Vorträge befassten sich mit der sexuellen Vielfalt, die keine Krankheit ist und mit den Schwierigkeiten, die nichtheterosexuelle Lebensweisen mit sich bringen.

Auch die erhöhte Anzahl von Suizidversuchen und vollendetem Suizid wurde thematisiert.

Homosexualität in Bezug auf Gesellschaft und Persönlichkeit wurde in einem weiteren Block besprochen.

Ein schwuler Vater aus Kiew führte seine Regenbogenfamilie vor. – Wie man am besten mit Eltern umgeht erklärte eine Russin. – LGBT und Gewalt kam in einem Projekt in Kiew zur Vorstellung. – Über das doppelte Coming-out ( für sich selbst und die Familie) referierte eine Kiewerin und eine andere über Diskriminierung am Arbeitsplatz.

„Religion und Sexualität“ ist immer ein besonders kontrovers zu sehender Aspekt. Gläubige Homosexuelle und deren Familien gleichermaßen stehen unter großem Druck. Das zeigte sich bei den Ausführungen einer Katholikin aus Polen und in erschreckendem Ausmaß bei den Darlegungen eines Georgiers über die Orthodoxe Kirche seines Landes.

Die deutsche Protestantin konnte von überwiegend akzeptierendem Verhalten ihrer Kirche berichten. 

Sehr einfühlsam hatte gleich zu Beginn ein orthodoxer Priester, der mit der Metropolitan Church verbunden ist, über die angemessene Auslegung der Bibel gesprochen. Weil mich  seine Sicht besonders beeindruckt hat und die Religion ja immer wieder als (Totschlag)Argument herhalten muss, will ich ein paar seiner Statements festhalten: Die Geschichten der Bibel können unterschiedlich interpretiert werden.- Es gibt Hoffnung auf Wandel der Einstellung der römischen Kirche. – Ein Priester, der Hass predigt, ist kein guter Priester. Wenn sich ein schwuler Priester nicht zu outen traut, kann er dennoch ein guter Priester sein. - Die Kirche muss alle Menschen annehmen.- Der Staat ist für die Gesetze zuständig, mit denen Homosexuelle geschützt werden. – Mein Kind ist wichtiger als                                                                          Doktrinen. – Die Kirche wird sich ändern, oder die Kirche wird sterben. 

Das letzte Podium befasste sich mit der Verteidigung Homosexueller, ihren Rechten und der schulischen Umgebung

Aus Deutschland gab es einen Bericht über die Antidiskriminierungspolitik  besonders in Bezug auf Schulen. Dazu wurde ein kurzer Spielfilm gezeigt, der die Bedeutung von Akzeptanz aufzeigte.

Von Kampania Przeciw Homofobi aus Polen kam Hoffnungsvolles.

Dagegen wusste die Vertreterin aus Moldawien überwiegend Beunruhigendes über die Medien zu sagen. Doch gibt sie die Hoffnung nicht auf.

Der Repräsentant von Amnesty International wies auf die zahlreichen Verstöße gegen die Menschenrechte in Bezug auf Homosexuelle hin.

Darauf bezog sich auch der Programmdirektor von ILGA-Europa. Er berichtete von der Organisation und ihrer Geschichte und betonte die Unterstützung, die in ideeller, aber auch materieller Hilfe an LGBT-Organisationen gegeben wird. 

Das offizielle Ende der Veranstaltung war die Erstellung einer Resolution zur Unterstützung von ILGA zur Weiterleitung an Regierungen.

Beiprogramme waren ein Theaterstück zum Coming-out, dargeboten von einer Laiengruppe aus Moldawien – eindrucksvoll, aber leider ohne Übersetzung.

Alternativ konnte man den Film aus Istanbul „My Child“ sehen.

Insgesamt war die Konferenz unwahrscheinlich eindrucksvoll: super Organisation, drei Konferenzsprachen (simultan gedolmetscht in Russisch, Englisch und Deutsch), viele Themen und gut ausgewählte Referenten. Es wäre zu schön, wenn BEFAH etwas Ähnliches auf die Beine stellen könnte.

Zum Abschluss noch ein paar markante Aussagen:

Am wichtigsten beim Coming-out der jungen Menschen ist die Unterstützung durch Eltern, Familie und Freunde. ( verschiedene Redner)

Eltern sind Eisbrecher. (M. Özkan, Türkei)

Erst wenn man am Arbeitsplatz ganz selbstverständlich ein Photo des gleichgeschlechtlichen Partners/ der Partnerin aufstellen kann, ist dieses Menschenrecht erfüllt (D.Brodsky-Bernstain, USA)

Tu etwas, wovon du überzeugt bist, ganz selbstverständlich. – Wichtig sind Gesetze, aber auch das Sichtbarsein von LGBT-Menschen. (U.Lunacek, Europaparlament)